Analyse von Wüest Partner: Wege aus der Wohnraumkrise im Kanton Zürich
Der Wohnungsmarkt im Kanton Zürich steht vor grossen Herausforderungen: Die Angebotsmieten steigen, der Neubau bleibt hinter dem Bedarf zurück, und freie Wohnungen werden immer seltener. Eine neue Studie von Wüest Partner, die im Auftrag der Volkswirtschafts- und Baudirektion des Kantons Zürich durchgeführt wurde, liefert Erkenntnisse zu 22 wohnungspolitischen Massnahmen und deren Wirkung.

Erhöhung der Ausnützungsziffer als vielversprechender Ansatz
Gemäss Wüest Partner ist die Erhöhung der Ausnützungsziffer, kombiniert mit Vorgaben für preisgünstigen Wohnraum eine der vielversprechendsten Massnahmen. Sie fördert den Wohnungsbau und wirkt gleichzeitig mietpreisdämpfend. Besonders effektiv ist diese Massnahme, wenn durch substanzielle Aufstockungen mehr Wohnfläche geschaffen wird. Damit diese Massnahme erfolgreich ist, müssen die Rahmenbedingungen attraktiv gestaltet werden. Flexible Vorgaben, realistische Anteile für preisgünstigen Wohnraum und wirtschaftlich machbare Mehrwertabgaben sind entscheidend. Aufstockungen und Anbauten bieten zudem ressourcenschonende Lösungen, indem sie das bestehende Wohnungsangebot erweitern und gleichzeitig graue Emissionen vermeiden.
Bauliche Erleichterungen zur Angebotsförderung
Pragmatische bauliche Erleichterungen können den Wohnungsbau nachhaltig stärken. Weniger Bürokratie, schnellere Bewilligungsverfahren und klare Vorgaben schaffen Planungssicherheit für Bauherren. Insbesondere die Reduktion von Lärmauflagen an gut erschlossenen Standorten und die Revision von Bau- und Zonenordnungen können die Dynamik im Wohnungsmarkt beschleunigen.
Gemeinnütziger Wohnungsbau: Zielgerichtet, aber begrenzt
Der gemeinnützige Wohnungsbau bietet punktuelle Entlastung für Haushalte, hat jedoch eine begrenzte Wirkung auf den gesamten Wohnungsmarkt. Tiefe Mietpreise werden durch das Konzept der Kostenmiete erreicht, bei dem lediglich die laufenden Kosten gedeckt werden. Allerdings sind staatliche Förderungen oft ineffizient und bringen Opportunitätskosten mit sich. Wichtiger als direkte Subventionen ist die Schaffung von Rahmenbedingungen, die privaten und gemeinnützigen Bauträgern die Realisierung von Wohnraum erleichtern.
Mietpreisdeckel und Renditeverbot: Risiken überwiegen
Massnahmen wie Mietpreisdeckel oder Renditeverbote dämpfen die Mietpreisentwicklung, beeinträchtigen jedoch die Investitionsanreize. Dies führt zu weniger Neubau, schlechterer Wohnungsqualität und geringerer Marktbeweglichkeit. Langfristig können solche Massnahmen die Attraktivität des Kantons Zürich als Wohnstandort schwächen.
Fazit: Mehr Wohnraum als zentraler Hebel
Die Studie zeigt, dass es keine universelle Lösung für die Herausforderungen des Wohnungsmarktes gibt. Eine gezielte Erhöhung der Ausnützungsziffer, pragmatische bauliche Erleichterungen und die Förderung des Neubaus bieten jedoch vielversprechende Ansätze. Nur durch ein wachsendes Wohnungsangebot können langfristig bezahlbare Mieten und eine ausreichende Wohnraumversorgung sichergestellt werden. Der Kanton Zürich muss innovative und nachhaltige Lösungen finden, die den steigenden Wohnraumbedarf und die Anforderungen einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung miteinander in Einklang bringen.
Bild: Rafael Wiedenmeier @ Getty Images.